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CDU Kreisverband Birkenfeld
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Benzel zum Chef der CDU im Kreis gewählt
Parteitag: Kirsten Beetz unterliegt deutlich und reagiert souverän
Prof. Dr. Wolfgang Benzel. (Foto: Claudia Vogt)
Ein spannendes Duell hatte am Freitagabend einen klaren Sieger: Beim Parteitag der Kreis-CDU in der Turnhalle des VfL Algenrodt löste Professor Dr. Wolfgang Benzel, bislang einer von drei Stellvertretern, Kreis-Chefin Kirsten Beetz ab, die das Amt erst 2007 übernommen hatte. Der Steuerberater, der in Rhaunen eine eigene Kanzlei betreibt, erhielt 106, die Oberhosenbacher Ortsbürgermeisterin lediglich 57 Stimmen. Groß war der Andrang: Tische und Stühle mussten herbeigeschleppt werden; die Christdemokraten wussten um die Bedeutung dieses Parteitages, der möglicherweise einen Führungswechsel nach sich ziehen würde.
Auch wenn sich die Hauptakteure der Versammlung, die sich angesichts der 28 Tagesordnungspunkte bis nach Mitternacht hinzog und die Heinrich Werle, Erster Beigeordneter der VG Birkenfeld, souverän moderierte, recht entspannt gaben: Spannung lag in der Luft. Landrat Dr. Matthias Schneider blickte in seiner Begrüßungsrede auf die ersten 244 Tage als Redmer-Nachfolger zurück. Sein Appell: „Wir müssen parteiübergreifend den Dialog suchen, wir können es uns nicht leisten, aufeinander einzudreschen. Wir müssen beweisen, welche Kompetenz wir zu bieten haben.“
Beetz blieb bescheiden
Landrat Dr. Matthias Schneider
Während es für den Landrat der erste Bericht war, orakelte Kirsten Beetz: „Vielleicht ist das der letzte Bericht, den ich als Kreisvorsitzende abgebe.“ Neben aller Personalpolitik sei es in erster Linie wichtig, ein „Freund der CDU“ zu sein, die gemeinsame Idee der Partei als solche zu begreifen und voranzutreiben. Die 50-Jährige verzichtete in ihrem Rückblick auf die nun vierjährige Amtszeit auf Eigenlob, blieb sachlich und recht bescheiden: Sie ging lediglich darauf ein, dass sie den jetzigen Landrat schon früh gefragt habe, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könne. Sie ließ durchblicken, an diesem Erfolg einen großen Anteil zu haben. Und nach der Landratswahl habe auf allen Ebenen der CDU eine gewisse Euphorie geherrscht: bis zur Nuklearkatastrophe von Fukushima. „Das hat alles auf den Kopf gestellt. 41 kamen in den Landtag. Ich hatte Listenplatz 42. Es war denkbar knapp.“ Die Kreis-CDU zeige Flagge, sei präsent, habe Kandidaten für die Wahlen der nächsten Jahre im Blick; man müsse aber nicht immer mit „lautem Getöse“ vorpreschen. Es sei viel bewegt worden, daran müsse man anknüpfen: Nicht Zank und Missgunst seien richtungsweisend, sondern ein konstruktives Zusammenarbeiten, das alle einbindet.
Mit Powerpoint-Präsentation
Voller Saal in Algenrodt
Nachdem Schatzmeister Ortwin Rech (der nicht mehr kandidierte) unter Applaus vermeldet hatte, dass die CDU schuldenfrei sei, stieg Professor Dr. Wolfgang Benzel in den „Ring“. Während im Hintergrund eine Powerpoint-Präsentation zu seiner Person lief, stellte er seine Ansätze vor: Er habe die Möglichkeit gehabt, „sich in Frieden und Freiheit zu entwickeln und zu verwirklichen“. Einen Teil möchte der 44-Jährige nun der Gesellschaft zurückgeben. Seit dem 19. Lebensjahr habe er Führungsaufgaben: Empathie, Information, Kommunikation – das seien die Säulen, die das Führen erfolgreich machten.
„Tue Gutes und rede darüber“, stellte er ebenfalls als Leitsatz heraus. Und: „Wir wissen doch, wann Wahlen sind. Warum positionieren wir uns so spät?“ Er habe als Stellvertreter auf der Ersatzbank gesessen und wolle nun als Spielführer aufs Feld. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Idar-Oberstein, Peter Simon, sprach sich klar für Kirsten Beetz aus: Sie sei eine engagierte Fraktionschefin im Kreistag, vertrete klare Meinungen, auch ihre Wahlergebnisse seien bei Weitem nicht so schlecht, wie sie offenbar bewertet würden. Benzel sei der „ideale Kandidat für die Bundestagswahl in zwei Jahren. Das Direktmandat wäre für ihn möglich“.
Unterstützung für Beetz gab es unter anderem auch von der Rhaunener CDU. Klaus Hepp: „Sie ist ihren Überzeugungen treu geblieben.“ Benzel hatte seine Fürsprecher unter anderem in Hisso von Selle, Heinz Wendel und dem früheren Ersten Beigeordneten der VG Herrstein, Karl-Heinz Schneider. Werle überreichte Beetz nach der Wahlniederlage Blumen; eine Umarmung gab es zwischen den Kontrahenten. Die Unterlegene ließ durchblicken, dass sie den Fraktionsvorsitz behalten möchte.
Stefan Huber, Helene Welsch und Christian Knapp (v.l.n.r.)
Extrem in die Länge zogen sich die Stellvertreterwahlen. Eric Aulenbacher trat aus beruflichen Gründen nicht mehr an. Gewählt wurden Stefan Huber, der als Chef der Jungen Union im Kreis viel Lob für seine engagierte Arbeit erhalten hatte, Christian Knapp, Vorsitzender des Stadtverbandes Idar-Oberstein, und Helene Welsch, Ehefrau von Dr. Schneider, die überzeugend betonte, dass es für sie auch neben dem Dasein als Landratsgattin ein politisches Leben gebe.
Nahe Zeitung vom Montag, 24. Oktober 2011


